Fineliner.Ausgabe 15 · 13. Oktober 2026

Führung braucht einen Ort zum Lautdenken.

Vor einigen Jahren leitete ich eine Abteilung mit über 30 Mitarbeitenden an mehreren Standorten. Es gab nicht wenige Abende, an denen ich Gedanken mit nach Hause genommen habe, über die ich im Büro nicht sprechen wollte.

Als Führungskraft weiß man ganz genau, dass manche Themen weder in den Flurfunk gehören noch an den privaten Esstisch. Das ändert aber nichts daran, dass sie einen beschäftigen und man Wege sucht, mit ihnen umzugehen und Lösungen zu finden.

Und so wird es irgendwann normal, den Kopf nicht mehr ausschalten zu können und gefühlt immer weiter zu arbeiten. Genau das zermürbt einen Stück für Stück und nimmt nicht selten auch Lebensqualität.

Heute greifen vielleicht viele in solchen Situationen auf KI zurück und fragen sie um Rat. Das kann helfen, Gedanken zu sortieren. Aber eine KI ist kein Mensch. Ihr fehlt das Menschliche, und das wird ihr auch immer fehlen.

Vielleicht kennen Sie das auch:

  • Sie verlassen ein Meeting mit einer Entscheidung, die nach außen klar wirken muss, obwohl Sie selbst noch Zweifel haben.
  • Abends spielen Sie ein schwieriges Gespräch zum fünften Mal im Kopf durch.
  • Selbst am Wochenende kreisen Ihre Gedanken um die Arbeit.

Was die Forschung sagt

Eine Übersichtsarbeit von Lam und Kollegen (2024) hat 71 Studien zu Einsamkeit in der Führung ausgewertet. Ihr Befund: Einsam ist nicht unbedingt, wer allein ist, sondern wer für die wichtigen Fragen keinen vertraulichen Raum hat.

Führung wird nicht leichter, wenn Sie alles allein tragen. Nur unsichtbarer.

Für Ihren Schreibtisch: das Fünf-Minuten-Sparring vor der Entscheidung

Bevor Sie eine schwierige Entscheidung festmachen, nehmen Sie sich fünf Minuten und beantworten Sie schriftlich vier Fragen:

Vier Fragen

  1. Was weiß ich sicher?
  2. Welche Annahme trägt meine aktuelle Position?
  3. Wer würde die Sache begründet anders beurteilen?
  4. Welche Nebenwirkung wäre in sechs Wochen am schwersten zu korrigieren?

Wie ich unterstützen kann

Sie müssen nicht erst an einem Punkt ankommen, an dem Sie niemanden mehr anrufen können.

Ich biete vertrauliches Sparring für Führungskräfte, die ein ehrliches Gegenüber suchen: jemand, der diese Welt von innen kennt, zuhört, nachfragt und Widersprüche benennt. Der erste Schritt ist ein Orientierungsgespräch: 30 Minuten, vertraulich und unverbindlich.

Wen rufen Sie an, bevor Sie entscheiden? Schreiben Sie mir gern, ich lese jede Nachricht selbst.

Fineliner erscheint jeden zweiten Dienstag.
Julia Feilen