Das Signal
„Im Sommer wird doch nicht so viel gearbeitet.“ Dieses Bild hält sich außerhalb von Verwaltungen erstaunlich hartnäckig. Es steht in Spannung zu den Befunden über Personalmangel und Arbeitsverdichtung im öffentlichen Dienst.
Der DGB-Personalreport 2025 zeigt, dass 53 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst von einem hohen oder sehr hohen Personalmangel in ihrem Arbeitsbereich berichten. Der dbb Monitor öffentlicher Dienst 2025 beziffert den fehlenden Personalbedarf im öffentlichen Dienst auf rund 570.000 Beschäftigte. Beide Veröffentlichungen messen zwar nicht explizit das Sommerloch. Dennoch liefern sie einen wichtigen Kontext für die Frage, warum die vermeintlich ruhigere Zeit vielerorts nicht mehr existiert.
Der Sommer macht nicht weniger Arbeit sichtbar, sondern weniger Puffer.
Warum das relevant ist
Als ich angefangen habe, im öffentlichen Dienst zu arbeiten, wurde mir jedes Jahr im Frühsommer gesagt, wie gut ich es doch hätte: Mir stünden jetzt erst einmal ein paar ruhige Wochen bevor. Endlich Zeit für die Dinge, die im laufenden Betrieb immer liegen bleiben.
Am Ende eines jeden Sommers dachte ich: Dieses Jahr war es eben besonders voll. Nächstes Jahr erlebe ich das Sommerloch dann wohl. Aber es kam nicht.
Viele Führungskräfte wissen sehr genau, wie wichtig diese Phasen sind, in denen wirklich fokussiert aufgearbeitet werden müsste. Sie wissen aber auch, dass ihre Organisation zu wenig Personal für die wachsende Zahl an Aufgaben hat. Das Problem ist: Die Arbeit läuft weiter. Gesetzliche und politische Anforderungen, Fristen, Haushaltsarbeit, Projekte, Bürgeranliegen und Krisenlagen machen keine Sommerpause. Gleichzeitig sind Teams durch Urlaub, Krankheit, Vakanzen und Vertretungen praktisch ständig reduziert.
Der Sommer erzeugt die Personalknappheit nicht, aber er macht die Lücke sichtbarer. Die zuvor erwähnten Studien belegen deshalb nicht das Ende des Sommerlochs. Sie helfen uns aber zu verstehen, warum die Zeit zum Aufholen vielerorts ausbleibt: Wenn eine Organisation schon im Normalbetrieb eng arbeitet, entsteht im Sommer keine zusätzliche Atempause.
Die nötige Zeit ist nie vorhanden. Genau das wird zum Problem.
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Diese Ausgabe erschien ursprünglich unter dem Namen The Governance Compass. Seit Oktober 2026 heißt der Newsletter Fineliner und erscheint jeden zweiten Dienstag.
Julia Feilen
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